Drei Tore, drei Punkte – Tabellenführer besiegt
OL Süd: VfB Germania Halberstadt - RSV Eintracht Stahnsdorf 3:2 (1:1)
(von Bernd Waldow)
Diese Begegnung hatte nicht nur eine große Bedeutung, sie wurde zu einem fetten Achtungszeichen für das Team von Manuel Rost. Es gibt Dinge, die kann man nicht beeinflussen, wohl aber kann man daran zerbrechen. Oder man stellt sich . Diese Option bot sich den personell gebeutelten Halberstädtern allemal – und es gab keinen Zweifel an der (Trotz-) Reaktion der Mannschaft. Hier stellte sich jeder einzelne der Akteure in den Dienst des Teams, das so über sich hinaus wuchs. Nicht, dass man den Tabellenführer nach Belieben beherrscht und aus dem Stadion geschossen hätte, nein, es waren die maximale Leidenschaft, der Wille und der Mut, die den VfB Germania zum verdienten Sieg trugen. Das hieß auch, „eklig“ zu sein, dem Kontrahenten die Lust am Spielen zu verderben, weil man immer schon da war, den Gästen praktisch pausenlos „auf den Füßen“ stand. Dazu eine erstaunliche Portion Mut und Unbekümmertheit, ja Frechheit. Joel Klaschka etwa, der Noch-A-Jugendliche, verlud gleich mal Saheed Mustapha, legte den Ball an ihm vorbei (6.) und zog ab, verpasste die linke Torstange nur um Zentimeter. Schon in der nächsten Aktion (13.) enteilte er seinem Bewacher, lief auf Keeper Daniel Hemicker zu, hatte das Auge für Pascal Hackethal, der unbewacht in den Strafraum sprintete, legte quer, so dass „Hacke“ völlig blank sich die Ecke aussuchen und zum 1:0 vollstrecken konnte. Selbstbewusst und frech versuchte es Klaschka auch aus großer Entfernung, als der Hüter sein Tor weit verlassen hatte, verfehlte das Ziel um ein kleines Stück... Und dann nochmal Klaschka, von Kapitän Patrick Baudis steil geschickt (24.), diesmal blieb er aber an Hemicker hängen. Soviel Wucht hatte der RSV nicht erwartet, gab offensiv auch einiges, zunächst jedoch ohne direkte Torgefahr. Als Patrick Baudis aus Nahdistanz den Ball an die Hand bekam, zögerte Schiedsrichter Paul Baudis keine Sekunde und verhängte gegen seinen Namensvetter einen Handstrafstoß. Routinier Matthias Steinborn trat an und lupfte das Spielgerät höchst überheblich in die Tormitte, wo Fabian Guderitz mit starkem Reflex die Kugel noch mit einer Hand von der Linie wischte. Steinborn war allerdings als Erster am abgewehrten Ball (29.) und schob den Nachschuss zum 1:1 ein. Der in die Jahre gekommene Altstar setzte auch das letzte Zeichen in der ersten Halbzeit, fand mit seinem platzierten Kopfball (45.+1) jedoch in Guderitz seinen Meister, der katzengleich ins bedrohte Eck abtauchte und stark parierte. Ansonsten fiel Steinborn eher durch Mätzchen und Theatralik auf, lag bei der Halberstädter Defensive spielerisch fest an Ketten. Das über die volle Distanz intensive Spiel hatte tolles Niveau, auch wenn sich phasenweise beide Teams dabei neutralisierten und Torchancen so nicht gerade im Minutentakt verzeichnet wurden. Hackethal (62.) von Edhem Hujdurovic bedient, schloss flach ab (gehalten), auf der anderen Seite setzte der RSV die Kugel nach Freistoß (72.) über das Tor. Es folgten zwei nahezu magische Momente im Spiel des VfB Germania. Zuerst enteilte Klaschka zum wiederholten Mal der RSV-Abwehr, flankte von links zielgenau auf Hackethal, der per Direktabnahme mit dem rechten Fuß (!) flach ins lange Eck traf (78.) und auf 2:1 stellte, danach nahm der VfB Germania vom Anstoß weg den Gästen sofort den Ball ab und schaltete blitzschnell um. Diemal war es Dustin Arnold, dessen präzises Zuspiel Nick Poser am rechten Strafraumeck aufnahm und dann ebenfalls mit genauem Abschluss ins entlegene untere Eck veredelte – Doppelschlag binnen 100 Sekunden und 3:1 (79.)! Die Entscheidung? Nein, die folgende Schlussphase hatte es noch in sich. Der RSV mit dem 3:2 (Kopfball Dominik Kruska nach Ecke, 85.), dann mit wütenden Angriffen, aber kaum konstruktiv, selbst die Großchance, als Guderitz ein einziges Mal der Ball versprungen war, nutzten die Gäste nicht. Statt ins leere Tor, wurde der Ball umständlich nach außen befördert, um neu aufzubauen, doch ohne ernste Gefahr. Bis zur 85. Minute hatte dieses klasse Spiel, so kampfbetont und schnell es auch war, eine souveräne Leitung, auf einem ähnlich hohen Niveau. Dann jedoch verlor der Referee leider den Überblick und zog gelbe Karten nahezu willkürlich. Vinicius Sandri sah deren gleich zwei binnen dreißig Sekunden, da vermisste man das Fingerspitzengefühl des Referees, denn es war kein Foul im Spiel, nur die Gestik hatte dem Pfeifenmann missfallen. So mussten die Halberstädter die Begegnung in Unterzahl zu Ende spielen – und das Ende war fern, denn es gab eine völlig überzogene Nachspielzeit von rund 8 (!) Minuten, die die Rost-Schützlinge jedoch mit Elan und Bravour überstanden. So steht am Ende der verdiente und erhoffte Sieg!